Magisch-Spirituelles, Märchen und Fabeln

Geschichte des Monats

Die reine Seele

Inhalt: Eines Tages kommt eine reine Seele in den Himmel und wünscht sich Frieden auf Erden,… wenn auch nur für einen Tag

Leseprobe: Eines Tages kam eine reine Seele in den Himmel, ein Mensch, der niemals auch nur einen schlechten Gedanken gedacht und niemals etwas Böses getan hatte. Es war ein kleines Mädchen, das auf der Erde den Namen Aurora getragen hatte. In all den Millionen von Jahren seit es die Menschheit gab, war noch nie eine so reine Seele wie die von Aurora auf der Erde gewandelt.

Nachdem das Mädchen nun im menschlichen Alter von zwölf Jahren an einer unheilbaren Krankheit gestorben und in die himmlischen Gefilde aufgenommen worden war, kam auch Gott die Nachricht von der Ankunft dieser reinen Seele zu Ohren. Obwohl der alte Mann seit Anbeginn der Welt schon so manches Unbeschreibliche erlebt hatte, war er doch sehr angetan von der Einzigartigkeit der kleinen Aurora und er hatte den Wunsch, diese Seele kennen zu lernen.

Deshalb ließ er sie zu sich rufen, und als das Mädchen vor ihm stand, ergriff er freudig ihre Hand und sagte: „Mein liebes Kind, noch nie zuvor ist an diesem Ort eine so reine Seele wie die deine erschienen. Ich habe lange Zeit darauf gehofft, dass dies eines Tages geschehen würde. Nun, da du tatsächlich hier bist, möchte ich dir einen Wunsch erfüllen. Sage mir, womit ich dir eine Freude machen kann, und der Wunsch wird dir gewährt werden.“

„Lieber himmlischer Vater“, entgegnete die reine Seele. „Ich habe tatsächlich einen Wunsch, der mich sehr glücklich machen würde. Ich wünsche mir, dass für einen Tag lang Frieden auf Erden herrscht und dass die Menschen an diesem Tag unfähig sind, schlechte Gedanken zu denken oder Böses zu tun. Im Gegenteil. Ich wünsche mir, dass das Böse an diesem einen Tag ganz verschwindet und sich Feinde als Freunde begegnen, Hartherzige gutmütig werden, Blinde sehend, Kranke gesund, Ignorante verstehend und Dumme weise. Nur für einen Tag soll das Paradies auf Erden sein, und die Menschen sollen ihr Leben so leben, wie ich es jede Zeit meines Lebens getan habe. Denn danach sehen sich alle Menschen in ihrem Herzen. Das weiß ich. Nur glauben sie, dass die Welt da draußen so schlecht ist, dass sie sich wehren und verstellen müssen. Wenn aber alle im Frieden sind, so gibt es nichts, wogegen sie sich verteidigen oder schützen müssen. Und sie können alle das sein, was sie in Wirklichkeit sind, reine Liebe.“

Mehr Lesen

Foto von Abdullah Inam auf Unsplash

Leseprobe

Ediths Glück – aus „liebe und andere Irrtümer“

Als Edith an diesem Tag, einem Samstag im November, der gleichzeitig ihr 33.Geburtstag war, in Tränen ausbrach, wusste sie, dass etwas geschehen musste. Schon lange hatte sie das Gefühl, dass sie sich über nichts mehr freuen konnte. Doch heute, nachdem der letzte Gast das Haus verlassen hatte, konnte sie nur noch erschöpft in den Sessel sinken und weinen. Und da wurde ihr klar, dass sie an einer Depression litt.

Von oben hörte sie die Stimmen der Kinder, die Henrik heute ins Bett brachte. Normalerweise war das allein ihr Job. Ihre Familie war ihr Leben, ihr ein und alles. Aber trotzdem hatte sie oft das Gefühl, dass sie nur noch funktionierte, nur noch Pflichten erfüllte. Morgens fiel es ihr immer schwerer aufzustehen. Jeder Tag schien gleich zu sein. War er geschafft, war sie einfach nur froh. Am liebsten wollte sie nur noch schlafen. Wären da nicht diese Schlafstörungen gewesen, die wirklich immer schlimmer wurden. Warum merkte sie erst jetzt, wie schlecht es ihr ging? Warum erzählte sie Henrik nichts davon, obwohl er doch ihr Mann war? Was empfand sie überhaupt für ihn, für irgendwen? Ihr wurde flau im Magen. Sie schüttelte den Kopf. Etwas stimmte nicht mit ihr. Angestrengt horchte sie in sich hinein. Sie wollte etwas fühlen, sie musste etwas fühlen, doch sie fühlte nichts. Sie war krank, innerlich leer.

Mehr Lesen

Foto von Alexander Mass auf Unsplash